Torstens Blog

Hier bloggt Torsten Frank aus Wilhelmshaven

Abriss der Südzentrale hat begonnen

Nun passiert es endlich: Die ersten Teile der Südzentrale wurden gestern abgerissen – als Vorsichtsmaßnahmen, war zu vernehmen. Einerseits ist das schade, denn mit dem Rückbau des Gebäudes geht ein Stück Wilhelmshavener Identität verloren. Allen vorgebrachten Nutzungsideen und -Konzepten zum Trotz brachte die Initiative um den “Verein zur Rettung der Südzentrale” keinen Investor hervor.

Da muss die Frage erlaubt sein: Wen wundert’s? Alle Ideen zur Weiternutzung des Gebäudes basieren auf Investitionen im mindestens einstelligen Millionenbereich. Hinzu kommt die Summe X zum Kauf des Geländes. Ich bin kein Bauexperte. Aber so ein Dach neu aufzubauen, alle Scheiben zu ersetzen, die Infrastruktur im Gebäude zu errichten (Gas, Wasser, Toiletten, Strom) – all das kann nicht billig werden. Und es bleibt das unternehmerische Risiko. Was wird, wenn das Nutzungskonzept nicht aufgeht und die Investitionen nicht wieder in die Kasse spült?
Diese Fragen mögen letztendlich den Ausschlag dazu gegeben haben, dass sich kein Investor gefunden hat, der mutig genug ist, ein paar Millionen ins Ungewisse zu investieren.

Letzter Halt – Stadtverwaltung?
Der Ruf nach der öffentlichen Hand ist dann nur konsequent und doch völlig fehl am Platze. Die hochverschuldete Stadtverwaltung kann dieses Gebäude einfach nicht kaufen. Neue, bisher noch nicht groß in der Öffentlichkeit diskutierte Baustellen warten schon auf Finanzierungsvorschläge: Sanierung des Rathausturms, Sanierung der Deichbrücke. Und wer sich mal die Kaimauer unseres städtischen Hafens ansieht, ahnt vielleicht den erforderlichen Sanierungsbedarf. Eine Kommune wie Wilhelmshaven, die unter dem demografischen Wandel einerseits, Jobflaute und Wanderungsbewegungen in Richtung Oldenburg anderseits leidet wie keine andere Kommune in der Region, kann es sich nicht leisten, neue Infrastruktur zu erwerben. Sie muss im Gegenteil überlegen, wo sie sinnvoll und behutsam Straßen, Schulen und sonstiges Inventar abbauen kann. Dort, wo Kosteneinsparungen durch Erwerb realisiert werden können, mag eine Einverleibung in den Bestand der öffentlichen Hand sinnvoll sein (z. B. Stadthalle). Ein Risiko von mehreren Millionen Euro zu verstaatlichen, kann nicht im Sinne einer sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung sein, so wie sie der Gesetzgeber vorschlägt.

Hast Du schon gehört?

Postkarte, Deutschland um 1900 (CC-Public Domain)

Postkarten, Deutschland um 1900 (CC-Public Domain)

“Hast Du schon gehört? Der Osterhase soll mit der Frau vom Weihnachtsmann geschlafen haben!”
“Ach!?”
“Ja, und deshalb soll’n die Eier jetzt in Zukunft nur noch in rot-weiß ausgeliefert werden!”
“Is nicht wahr!?”

Wilhelmshaven kennt seit einigen Wochen nur noch ein Thema: Neuestes aus Klatsch und Tratsch. Online wie offline. Dabei zeigt sich ein interessantes Phänomen: Nicht nur der hohe Verbreitungsgrad der Nachricht, sondern auch das geringe Bedürfnis der Tratschenden, den Inhalt der Nachricht überhaupt verifizieren zu wollen.

Der Verbreitungsgrad der Gerüchte erhöht sich mit der zunehmenden Vernetzung der Gesellschaft durch Facebook. Diskussionsgruppen, deren Reichweite mehrere tausend Mitglieder beträgt, können mittlerweile Geschichten in der Mitte der Gesellschaft etablieren, selbst, wenn die Administratoren der Foren schnell reagieren und solche Postings löschen. Dank Handybenachrichtigung erfährt man sofort, wenn irgendwo etwas Neues geschrieben wurde. So schnell kann kein Hobbyadmin eingreifen.

Die Sache mit dem Tango und den Hinterteilen

Mein persönlicher Höhepunkt in diesem Sommerspektakel ist aber nicht das Thema Osterhase/Weihnachtsmann. In besagten Facebookforen wurde gegen den Betreiber des Friesischen Rundfunks gewettert. Interessant sind die Auswirkungen dieses Shitstorms. Das Team um den Betreiber Karl-Heinz Sünkenberg hat beschlossen, den Sendebetrieb für das Gebiet Wilhelmshaven einzustellen.

Bitte??

Dass das wohl eher eine Kurzschlussreaktion als eine überlegte Handlung war, wurde vom Sender in einer erstaunlichen Offenheit selbst kommuniziert. Das Video ist leider nur innerhalb von Facebook abrufbar.

frf

Respekt für diese Selbstreflektion.
Der Volksmund sagt: “Zum Tango gehören immer zwei Ärsche”. Wie ich finde, ein passender Satz zu dieser Geschichte. Da gibt es im Internet “Trolle”, die pobeln und Unsinn schreiben. Vermeintlich. Denn wir sehen nicht, welche Mimik derjenige vor seinem Rechner gerade aufsetzt, wir sehen nicht, ob er/sie dabei schmunzelt, ob er laut oder leise eine These niederschreibt. Nicht nur der Sender einer Nachricht muss sich genau darüber im Klaren sein, was er schreibt und wie er es tut. Auch der Empfänger einer solchen Botschaft sollte sich bewusst machen, dass dem Sender vielleicht gar nicht bewusst war, dass seine Nachricht missverstanden werden könnte. Oder der Sender wollte gerade provozieren. Objektivität und eine gesunde Distanz zu allem, was am virtuellen Stammtisch passiert, könnten die Lösung sein.

Phänomen Cold-Water-Challenge

Ganz Deutschland befindet sich im Sommerloch. Früher gab es Krokodile im See, heute begnügt sich die Gesellschaft mit sogenannten Cold-Water-Challenges. Dabei geht es darum, dass die Nominierten auf eine bestimmte Art und Weise mehr oder weniger spektakulär mit dem kühlen Nass in Verbindung treten. Die Verbreitung der Nominierungen erfolgt über soziale Netzwerke wie Facebook. Will man dieser Challenge “entkommen”, muss/soll man eine Gegenleistung erbringen, oft eine Spende, manchmal aber auch eine direkte Gegenleistung für den Nominierenden.

Dabei ist diese Idee schon ein Phänomen für sich: Man sitzt zu Hause vor dem Rechner und schaut dabei zu, wie andere Menschen ins Wasser springen oder laufen (Früher in der pre-Handygeneration hätte man sich wahrscheinlich verabredet und wäre gemeinsam baden gegangen). Auf der anderen Seite gibt es wiederum Menschen, die sich beim Baden – vollständig angekleidet – filmen lassen und dies ins Internet stellen. Unbeteiligten mag sich der Sinn dahinter nicht vollständig erschließen – keine Sorge, das war bei mir auch erst so. Bis ich von Volker Block zu diesem Quatsch Spaß nominiert wurde. Gott sei dank, dass die “Cold” Water Challenge im Sommer stattfindet (im Winter wäre es eine echte Herausforderung gewesen).

Die Sache ist einfach ein großer Gag.

Das Ministerium schaltet sich ein
Ganz freien Lauf lassen kann man den Dingen dann doch nicht. Das Niedersächsische Ministerium für Spaßverderben Inneres und Sport hat sich eingeschaltet und rät davon ab, an Cold Water Challenges teilzunehmen, denn:

Am 29. Juli 2014 hat es bei einer solchen Aktion (…) einen tödlichen Unfall gegeben (…) Es wird grundsätzlich davon abgeraten, sich an derartigen “Challenges” zu beteiligen. Solche Aktionen stehen grundsätzlich nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

In der Tat ist der Unfall von Isselburg tragisch. Wie jeder Unfall, der durch Dummheit zustande kommt. Zahlreiche Menschen haben aber schon völlig ohne Schaden an einer solchen Aktion teilgenommen. Und wer 2000 Liter Wasser in eine Baggerschaufel lädt, muss sich selbst schon einmal fragen, wie es um die Statik des Gefährtes steht, wenn man damit auf eine Menschenmenge zusteuert.

Das hat aber nichts mit den Cold-Water-Challenges an sich zu tun. Die meisten laufen völlig unspektakulär ab. Wer daran teilnehmen möchte, sollte sich natürlich schon eine Möglichkeit suchen, unverletzt ins Wasser und wieder heraus zu kommen. Aber dafür haben wir ja alle ein Gehirn von Gott oder der Evolution erhalten.

To whom it may concern…


Hallo, mein Name ist Torsten Frank und dies ist mein Blog. Ich schreibe hier über die alltäglichen Dinge, die einfach schriftlich fixiert werden müssen, damit in meiner Gedankenwelt Platz für neue Ideen ist.
Viel Spaß beim Lesen. Konstruktive Anmerkungen sind immer erwünscht, SEO-Kommentare werden gelöscht.
Anfragen nach Produktrezensionen sind willkommen. :)

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